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e-Books für Bibliotheken aus 15 Verlagen

Das Konzept von scholars-e-library

Dr. Bertram Salzmann
Bertram Salzmann

Interview mit Dr. Bertram Salzmann

scholars-e-library ist eine neuartige Zusammenarbeit von Verlagen im E-Book-Vertrieb. Dr. Bertram Salzmann, der scholars-e-library als utb-Geschäftsführer entwickelt hat, erläutert, was hinter dem Konzept steht und wie sowohl Verlage als auch Bibliotheken davon profitieren. Die Fragen stellte Susanne Broos vom Börsenblatt.

1. Warum wurde scholars-e-library gestartet?

Bibliothekare und Bibliotheks-Nutzer wünschen sich schon lange eine Plattform mit einheitlichen Nutzungs- und Abrechnungsbedingungen für ein möglichst breites E-Book-Angebot. Gleichzeitig ist für konzernunabhängige Fachbuch- und Wissenschaftsverlage Kooperation im digitalen Bereich ein Gebot der Stunde. Denn es macht weder wirtschaftlich noch vertriebstechnisch noch im Hinblick auf die Marktanforderungen Sinn, jeweils eigene Plattformen und Vertriebsstrukturen für das verlagseigene E-Book-Angebot zu entwickeln.

Konsequenterweise haben sich bei scholars-e-library 13 Verlage zusammen getan, um ihre E-Books auf einer gemeinsamen Plattform zu einheitlichen Konditionen und Nutzungsbedinungen und mit einem gemeinsamen Vertrieb den Bibliotheken anzubieten. Mit ca. 1500 Titeln zum Start und über 1000 Titeln Zuwachs jährlich ist scholars-e-library  für Bibliothekare sowohl durch das große Titelvolumen als auch das konsistente Titelportfolio attraktiv. Verlagsübergreifende Fachbereichspakete oder Pick & Choose-Bestellung über alle Verlage hinweg eröffnen günstige und flexible Bezugsmöglichkeiten. Schließlich vereinfacht die gemeinsame Angebots- und Bestellabwicklung über alle 13 Verlage hinweg mit nur einer Ansprechpartnerin den Erwerbungsprozess und die Verwaltung für die Bibliothekare enorm.

2. Wie wird das Angebot von den Bibliotheken angenommen?

Auf den E-Book-Tagen in Bremen und dem Bibliothekartag in Leipzig war das Interesse groß und das erste Feed-back sehr positiv. Besonders gelobt wurden die einheitlichen Nutzungsbedingungen über alle Verlage hinweg, die auch Ausdrucken und Downloaden gestatten, sowie die Abwicklung aus einer Hand. An der inhaltichen Qualität des Angebots besteht aufgrund des guten Rufs der Verlage ohnehin kein Zweifel. Bibliotheken aus dem ganzen deutschsprachigen Bereich haben denn auch bereits Interesse bekundet, scholars-e-library zu lizenzieren.

3. Was bringt es den Verlagen, dabei mitzumachen?

scholars-e-library überträgt den Grundgedanken der UTB – die gegenseitige Stärkung mittelständischer Verlage durch Zusammenarbeit in Marketing und Vertrieb – in die digitale Welt. UTB hat in den vergangenen Jahren mit utb-studi-e-book bereits ein erfolgreiches digitales Vertriebsmodell für das Lehr- und Studienbuchprogramm der Gesellschafterverlage aufgebaut, das aktuell von über 60 Hochschulbibliotheken im deutschsprachigen Raum genutzt wird. Da lag es nahe, dieses Erfolgsmodell auch auf Titel aus dem wissenschaftlichen Hauptprogramm von UTB-Verlagen zu übertragen.

Die beteiligten UTB-Verlage profitieren dabei von der Erfahrung und dem Know-How, das UTB im digitalen Vertrieb an Bibliotheken in den letzten Jahren erworben hat. Sie sparen es sich, eine eigene technische und vertriebliche Infrastruktur für ihren E-Book-Vertrieb aufbauen zu müssen. Ohne all diese Investitionen sind sie in sehr kurzer Zeit mit einem Angebot am Markt, das durch die gemeinsame Fülle und Qualität für die Bibliothekare auch noch attraktiver ist als die jeweiligen Einzelangebote. Bei UTB sind sie als Gesellschafterverlage im Unterschied zur Zusammenarbeit mit anderen Aggregatoren zudem an allen Entscheidungen selbst beteiligt.

4. Ist die Plattform ein Modell für die Zukunft und warum?

Aus den oben genannten Gründen sehen wir die Plattform durchaus als ein Modell für die Zukunft: Sie kommt den Anforderungen des Marktes entgegen und eröffnet unabhängigen Verlagen Marktchancen, die sie als einzelne nicht hätten. Das beweist die Aktualität der UTB-Philosophie auch im digitalen Zeitalter.

Hinzu kommt, dass scholars-e-library mit dem System Content Select eine technische Plattform nutzt, die auch für Verlage außerhalb der UTB offen ist und z.B. auch von Campus, Kohlhammer, Beltz etc. aktuell schon genutzt wird. Auch die Titel dieser Nicht-UTB-Verlage stehen auf Content Select zu den gleichen Nutzungsbedingungen bereit. Sie werden allerdings nicht durch UTB, sondern auf anderen Wegen und zu anderen Konditionen vertrieben. Trotzdem ergibt sich dadurch für die Bibliothekare ein noch größeres Portfolio von noch mehr Verlagen auf _einer_ Plattform.

5. Ändert sich dadurch die Zusammenarbeit mit den Bibliotheken?

Die Zusammenarbeit mit den Bibliothekaren wird immer intensiver. Sie ist von wachsendem gegenseitigem Verständnis und dem gemeinsamen Interesse einer möglichst guten Versorgung der Bibliotheksnutzer mit digitalen Inhalten geprägt. Die Verlage haben in der letzten Jahren gelernt, die Anliegen und Interessen der Bibliothekare ernster zu nehmen und ihre Angebote im Hinblick darauf weiter zu entwickeln. Die Bibliothekare haben gelernt, dass die digitalen Angebote der Verlage auch nach den Gesetzmäßigkeiten der Verlagswelt funktionieren müssen und dass hochwertige Inhalte auch in der digitalen Welt ihren Preis haben. Durch Angebote wie scholars-e-library gehen beide Seiten im Sinne einer Win-Win-Lösung weiter aufeinander zu.